Kathy Reichs:
Der Tod kommt wie gerufen
Meine erste Begegnung mit der forensischen Anthropologin Temperance “Tempe” Brennan, hatte ich vor 8 Jahren. Damals bekam ich ihren ersten Fall “Tote lügen nicht” in die Finger b und war gefesselt von der spannenden Story und dieser Anti-Heldin (trockene Alkoholikerin, geschieden, herber Humor), die durch ihre Tätigkeit zur Aufklärung kniffliger Kriminalfälle beiträgt.
“Der Tod kommt wie gerufen” ist ein Jubiliäum für mich: der zehnte Fall für Temperance und mich. Aber ich muss sagen, dass der kriminalistische Part etwas nachgelassen hat und für mich die persönliche Entwicklung der Titelheldin zum wesentlichen Leseantrieb wurde.
Die Handlung spielt in Charlotte, North Caroline, wo bei Bauarbeiten an einem Haus ein verstecktes Kellergewölbe mit einer Art Altar und menschlichen Überresten entdeckt wird.
Schnell geht das Gerücht eines Ritualmordes um, das sich zu bestätigen scheint, als eine zweite Leiche gefunden wird – kopflos, aber dafür mit satanischen Zeichen auf dem Körper.
Tempe Brennan forscht in alle Richtungen und informiert sich über Glaubensrichtungen wie Vodoo, Palo Mayombe, Santeria oder Wicca (hier besucht sie sogar ein Treffen). Ein Lokalpolitiker nutzt die Gelegenheit, um Stimmung zu machen und die Stadt wird zum Hexenkessel. Die Geschehnisse eskalieren, als ein in die Ermittlungen involvierter Polizist erschossen wird.
Das für mich sensationelle und völlig unerwartete an diesem Roman war es mitzuerleben, wie Temperance über diese Ereignisse einen Rückfall erleidet und wieder zum Alkohol greift. Auch eine alte Jugendliebe “Charlie”, der ihr wieder näher gekommen ist, wird Zeuge des Zusammenbruchs. Und als dann auch noch Detective Ryan (über den sie immer noch nicht hinweg ist) plötzlich vor ihrer Tür steht, ist guter Rat teuer.
Zusammenfassend: einer der schwächeren Romane der Reihe, aber ein wichtiger im Werdegang der Temperance Brennan, der neugierig auf das macht, was die Zukunft für sie bereit hält. Und so werde ich wohl auch ihr elftes Abenteuer lesen.
