Philippe Djian: Doggy Bag. Eins.
Philippe Djian ist sicher kein einfacher Autor. Seine Bücher sind trotz Hang zur ästhetischen Vulgarität durchaus als anspruchsvoll zu bezeichnen und ich vermag im Vorfeld nie genau zu sagen, ob mich ein Buch (wie Betty Blue, Krokodile oder Matator) fesseln wird oder in Quälerei ausartet. Auf jeden Fall gebe ich dem Autor immer wieder eine Chance, denn bislang haben die positiven Überraschungen die Enttäuschungen überwogen.
An „Doggy Bag. Eins.“ habe ich sehr hohe Erwartungen gerichtet. Immerhin ist es angekündigt als der Einstieg in eine 6-teilige Soap in Romanform und da ich weder TV-Serien noch guten Büchern abgeneigt bin, musste es eigentlich zwangsweise etwas für mich sein.
Die Handlung ist wie es sich für eine Soap gehört eher trivial. Es geht um die beiden Brüder David und Marc Sollens, die zusammen ein erfolgreiches Autohaus betreiben. David hat eine Affaire mit einer jüngeren Krankenschwester, Marc hat keinerlei Ambitionen sesshaft zu werden und schläft sich durch die Betten.
Einst haben sich die Brüder in die gleiche Frau, Édith, verliebt, was damals in einen Kampf um Leben und Tod ausgeartet ist (genau wird aber nie verraten, was denn nun wirklich geschehen ist). Die daran nicht unschuldige Édith (sie konnte sich nicht zwischen den Männern entscheiden) hat daraufhin die Stadt verlassen, aber ihre Rückkehr nach zwanzig Jahren angekündigt.
Und hier startet auch der Roman. Das einstige Streitobjekt kehr zurück und auch wenn die beiden Brüder zunächst ruhig bleiben, ahnt man doch, dass die Probleme noch lange nicht ausgestanden sind.
Dazu kommt die dem Alkohol nicht abgeneigte Mutter der beiden Brüder, Irène, der es am liebsten wäre, wenn Édith die Bildfläche sofort wieder verlässt. Zumal Édith nicht alleine, sondern mit einer zwanzigjährigen Tochter zurückgekehrt ist…
Das Buch hat es nicht geschafft, mich zu packen und ich bin noch unschlüssig, ob ich die Reihe überhaupt fortsetzen werde.
Die Soap in Romanform ist nur mäßig gelungen. Es mangelt zwar nicht an Schicksalsschlägen wie Erdbeben, ertrinkenden Kindern, rollstuhlfahrenden pöbelnden Ex-Geliebten, Herzinfarkten und was man sonst so aus Soaps kennt, aber die Mittel werden m. E. zu schnell eingesetzt.
Man hat zu wenig Zeit dafür bekommen, sich einen Überblick über die Hauptpersonen zu verschaffe, geschweige denn, diese näher kennenzulernen. Das verhindert, dass man nach bester Soap-Manier mit den Hauptdarstellern mitleidet…
Gelesen: 20.09.-28.09.
Seiten total: 273
Seiten/Tag: 30,33
Gelesene Seiten 2009: 12.760



