Archiv für die Kategorie ‘Comedy’

Zuckersüßer Frauenroman

20/12/2009

Shari Low: Torschlusspanik

Shari Low habe ich Gegengewicht für meine diversen Krimis mit in die Urlaubs-Büchertasche gepackt. Auch dieses  Buch verdanke ich einer Empfehlung von Sabine Simon (deren Empfehlungsliste sogar um viele weitere Titel länger  ist, 1000 Dank dafür).

Das Cover titelt „Ally McBeal meets Sex and the City” und das macht bereits deutlich, dass es ein Frauenbuch ist. Die Heldin Carly Cooper glaubt sich am Scheideweg ihres Lebens. Sie hat mit ihren 31 Jahren bereits ein bewegtes Leben hinter sich, ist viel gereist und war schon ganze vier mal verlobt. Aber am Ausgangspunkt des Romans steht sie allein dar und beginnt sich zu fragen, ob nicht einer ihrer Exfreunde womöglich doch der Richtige gewesen ist, also nichts wie die Koffer gepackt und es wird auf große Ex-Freunde Tour rund um die Welt gegangen.

Charmant ist das Spiel mit den Rückblenden, vom Verlust Ihrer Unschuld, über ihre „Flucht“ nach Amsterdam, um dem Erwartungsdruck der Eltern („du musst studieren“) zu entkommen, bis hin zu ihren beruflichen Erfolgen in Shanghai, Hongkong und London.

In einzelnen Kapiteln lernen wir ihre chaotische Vergangenheit und die jeweiligen Lebensabschnittsbegleiter/Verlobten kennen. Die sind alle sehr nett und so recht versteht man nicht, wieso Carly immer wieder die Zweifel überkommen und sie doch weiterzieht. Die Kapitel enden dann auch immer entsprechend „Ich habe  XY nie wieder gesehen“.

Diese Kapitel zu ihrer Vergangenheit werden durch die Situations-beschreibung ihres „Hier und  Jetzt“ geschärft, wie der Entschluss in ihr reift, alle Ex-Freunde aufsuchen zu wollen und wie sie es ihren Freundinnen beibringt und wie sie sich schließlich auf die Reise macht.

Zu dem Zeitpunkt ist man natürlich Neugierig, was aus der Riege der Ex-Männer geworden ist und die Autorin hält auch hier die ein oder andere Überraschung bereit, mit der man so nicht gerechnet hat.

Das Buch war für den Urlaub genau das Richtige, kurzweilig gute Unterhaltung wie einer der leckeren Cocktails, die ich dazu am Strand getrunken habe. Aber wie mit den Cocktails, so ist es auch mit dem Buch: bitte nicht zu viel, den der typische Frauenroman-Stil, den die Autorin zu Papier bringt, verträgt man nur in Maßen

Gelesen: 04.11. – 05.11.

Seiten total: 366

Seiten/Tag: 168

Gelesene Seiten 2009: 16.127

Literarische Soap made in France

26/10/2009

Doggy Bag Teil 1Philippe Djian: Doggy Bag. Eins.

Philippe Djian ist sicher kein einfacher Autor. Seine Bücher sind trotz Hang zur ästhetischen Vulgarität durchaus als anspruchsvoll zu bezeichnen und ich vermag im Vorfeld nie genau zu sagen, ob mich ein Buch (wie Betty Blue, Krokodile oder Matator) fesseln wird oder in Quälerei ausartet.  Auf jeden Fall gebe ich dem Autor immer wieder eine Chance, denn bislang haben die positiven Überraschungen die Enttäuschungen überwogen.

An „Doggy Bag. Eins.“ habe ich sehr hohe Erwartungen  gerichtet. Immerhin ist es angekündigt als der Einstieg in eine 6-teilige Soap in Romanform und da ich weder TV-Serien noch guten Büchern abgeneigt bin, musste es eigentlich zwangsweise  etwas für mich sein.

Die Handlung ist wie es sich für eine Soap gehört eher trivial. Es geht um die beiden Brüder David und Marc Sollens, die zusammen  ein erfolgreiches Autohaus betreiben. David hat eine Affaire mit einer jüngeren Krankenschwester, Marc hat keinerlei Ambitionen sesshaft zu werden und schläft sich durch die Betten.

Einst haben sich die Brüder in die gleiche Frau, Édith, verliebt, was damals in einen Kampf um Leben und Tod ausgeartet ist (genau wird aber nie verraten,  was denn nun wirklich geschehen ist). Die daran nicht unschuldige Édith (sie konnte sich nicht zwischen den Männern entscheiden) hat daraufhin die Stadt verlassen, aber ihre Rückkehr nach zwanzig Jahren angekündigt.

Und hier startet auch der Roman.  Das einstige Streitobjekt kehr zurück und auch wenn die beiden Brüder zunächst ruhig bleiben, ahnt man doch, dass die Probleme noch lange nicht ausgestanden sind.
Dazu kommt die dem Alkohol nicht abgeneigte Mutter der beiden Brüder, Irène, der es am liebsten wäre, wenn  Édith die Bildfläche sofort wieder verlässt.  Zumal Édith nicht alleine, sondern mit einer zwanzigjährigen Tochter zurückgekehrt ist…

Das Buch hat es nicht geschafft, mich zu packen und ich bin noch unschlüssig, ob ich die Reihe überhaupt fortsetzen werde.

Die Soap in Romanform ist nur mäßig gelungen. Es mangelt zwar nicht an Schicksalsschlägen wie Erdbeben, ertrinkenden Kindern, rollstuhlfahrenden pöbelnden Ex-Geliebten, Herzinfarkten und was man sonst so aus Soaps kennt, aber die Mittel werden m. E. zu schnell eingesetzt.
Man hat zu wenig Zeit dafür bekommen, sich einen Überblick über die Hauptpersonen zu verschaffe, geschweige denn, diese näher kennenzulernen. Das verhindert, dass man nach bester Soap-Manier mit den Hauptdarstellern mitleidet…

Gelesen: 20.09.-28.09.

Seiten total: 273

Seiten/Tag: 30,33

Gelesene Seiten 2009: 12.760

Das Leben ist keine Halfpipe: Slam

21/06/2009

Nick Hornby: SlamNick Hornby: Slam

Hornby ist ein Autor, vor dem ich Achtung habe. Einerseits versteht er es ernste Themen in einen komischen Beiklang  zu verpacken, andererseits geht er nicht nach Schema F vor.  Die andere große Überraschung bei diesem Taschenbuch: wie bei einer DVD gibt es Bonusmaterial, das aus einem Interview mit Autor und Kurzgeschichten besteht. Ich bin mal gespannt, ob das ein Trend ist, der sich bei Büchern durchsetzt.

Doch reden wir vom Roman „Slam“. Hauptfigur ist der 15jähirge Sam, der von seiner alleinerziehenden Mutter aufgezogen wird. Er ist leidenschaftlicher Skater und sein großes Vorbild ist Tony Hawks. Der muss in Form eines Posters auch als Vater bzw. bester Freund Ersatz herhalten, denn Sam berichtet ihm regelmässig von den Neuigkeiten in seinem Leben und Tommy Hawks antwortet mit mehr oder weniger treffenden Zitaten aus seiner Biographie.

Ein Teenagertraum wird schließlich wahr,  als Sam bei der gleichaltrigen Alicia landen kann und die beiden ein Paar werden. Doch aus dem Traum wird ein Alptraum, als Alicia schwanger wird und das Kind behalten will. Sam sieht seine Zukunft in Gefahr und flieht erst einmal aus der Stadt.

Nun hatte ich davon gesprochen, dass Hornby nicht nach Schema F vorgeht und so hat dieser Roman eine phantastische Komponente, denn Sam verschlägt es mehrfach in die Zukunft und so kann er seinen Sohn schon vor seiner Geburt kennenlernen:
„Ich wurde mitten in der Nacht wach. Ich war nicht in meinem eigenen Bett, es lag jemand neben mir im Bett, und dann schrie auch noch ein Baby.
„O Scheiße.“ Die Person neben mir im Bett war Alicia.
„Du bist dran“, sagte sie.
Ich sagte nichts. Ich wusste weder, wo ich war, noch wann ich war, und ich wusste nicht, was mit „Du bist dran“ gemeint war.
„Sam“ sagte sie. „Wach auf. Er ist wach. Du bist dran.“

„Nimm einfach das verdammte Baby aus dem Bett.“
Ich war ziemlich verwirrt, natürlich, aber ich begann langsam zu schalten. Ich wusste zum Beispiel, dass ich nicht fragen durfte, wie alt der Kleine war, oder wie er hieß. Das würde sie misstrauisch machen. Und es hatte nicht viel Zweck, ihr erklären zu wollen, dass ich nicht der Sam , für den sie mich hielt, sondern dass irgendwer, vielleicht Tony Hawk, mich in eine Art Zeitmaschine verfrachtet hatte, aus Gründen, die wahrscheinlich nur er kannte.“

Ich fand das Buch sehr kurzweilig und amüsant, trotz des ernsten Themas.
Die Zeitsprünge bauen eine große Spannung auf und zwingen einen zum Weiterlesen.

Gelesen: 11.06.-14.06.
Seiten total: 367 (inkl. Bonusmaterial)
Seiten/Tag:  91,8
Gelesene Seiten 2009: 8.472

Weichei meets Türkei: Macho Man

20/04/2009

Moritz Netenjakob: Macho ManMoritz Netenjakob: Macho Man

Das Buch war ein absoluter Spontankauf. Der Klappentext klang einfach vielversprechend:

  • „ Von den 68ern erzogen, lebte er dreißig Jahre als Weichei. Jetzt verliebt er sich in eine Türkin. Aber wie überlebt ein Frauenversteher in einer Welt voller Machos“
  • „Das komplette KiWi-Team hat sich so schlapp gelacht, dass das Buch aufgrund kollektiver Atemnot fast nicht erschienen wäre.“
  • „Dieses Buch ist eine kleine Sensation – „klein“ im Sinne von „doch eher groß“.“(Bastian Pastewka)


Hauptfigur Daniel stammt aus Köln und darf getrost als „Frauenversteher“ bezeichnet werden. Aber wieso hat ihn seine Freundin verlassen, wenn er Ihr immer jeden Wunsch erfüllt hat? Mit sich selbst hadernd fliegt er nach Antalya um sich von seinem Freund Mark trösten zu lassen, der  in einem Hotel arbeitet. Dort lernt er Animateurin und Türkin Aylin kennen und verliebt sich auf den ersten Blick. Wider aller Wahrscheinlichkeit werden er und Aylin ein Paar.

Aylin (auch aus Köln) beendet ihr Animateurinnen-Job vorzeitig und folgt dem bereits abgereisten Daniel in die Heimat. Der erlebt aber erst einmal einen mittleschweren Kulturschock, als er Aylin am Flughafen abholt und diese ihn direkt mit nach Hause nimmt, um ihre Familie kennen zu lernen (und die ist ziemlich groß). Nach und nach lernt Daniel die Vorzüge der türkischen Kultur kennen und findet gefallen an der Rolle des  ”Macho Man” (erst aber muss er noch mit seinem schlechten Gewissen kämpfen, das ihn verurteilen will, weil er nicht beim Geschirrabräumen und Spülen hilft).

Besonders charmant sind die Fußnoten, mit sich Daniel bei Kölnern, Griechen, Christen und allen sonstigen Mehr- und Minderheiten entschuldigt, die sich durch seine Äußerungen auf den Schlips getreten fühlen könnten. Außerdem köstlich, wenn der Leser im Stil einer Aufzählung an seinen chaotischen Gedankengängen teilhaben darf. Dazu eine kurze Leseprobe; erstes Aufeinandertreffen Aylin und Daniel:

„Jetzt kommt Aylin auf uns zu. Mein Herz schlägt schneller, mein Mund wird trocken. Die Zeit dehnt sich, sodass in meinem Kopf Platz für eine Riesenmenge unnötiger Gedanken entsteht, von denen ich hier nur einen kleinen Teil auflisten möchte:

  • Ist mein Hosenschlitz zu?
  • Ich muss mich jetzt schnell vor eine weiße Wand stellen, damit meine Haut nicht so käsig aussieht.
  • Ich darf jetzt nicht Reiner Calmund imitieren.
  • Sooo käsig ist meine Haut doch gar nicht. Die Unterarme sind schon fast hellbeige.
  • ….
  • Mein Gott, ist die schön.
  • Ich sollte sie nicht so sehr auf ihr Äußeres reduzieren.
  • Schwachsinn, bisher kenne ich doch nur ihr Äußeres.
  • …“ (Ende der Leseprobe).

Und meine persönlichen Learnings:

    1. Der Barbarossaplatz in Köln muss einer der hässlichsten Orte der Welt sein, Daniel macht ihn mehrfach nieder.
    2. Bei einer Einladung bei Türken den Teller nur dann leer machen, wenn man einen Nachschlag möchte, ansonsten kann es ein böses Ende nehmen…

Ich gebe zu, ich habe einen Roman im Stil „Vollidiot“ oder „Millionär“ von Tommy Jaud erwartet. Der verwendet exakt  ”meinen” Humor; wo ich beim Vollidioten herzhaft gelacht habe, stellt sich beim Macho Man nur ein Schmunzeln ein, aber auch das ist bei einem Buch ja nicht selbstverständlich. Ich empfehle das Buch als leichtverdaulich-witzige Urlaubslektüre.

Gelesen: 18.04.-19.04.

Seiten total: 284

Seiten/Tag: 142

Gelesene Seiten 2009: 5.224

Vier Frauen und ein Politiker: Märchenprinz

05/04/2009

MärchenprinzMarian Keyes: Märchenprinz

Die Roman von Marian Keyes habe ich bis vor einigen Jahren verschlungen und mich dabei stets köstlich amüsiert, zuletzt war ich, was ihren Humor betrifft, aber doch gesättigt. Nach mindestens zwei Jahren wollte ich es jetzt aber doch wieder einmal versuchen und habe ihren neuesten Roman „Märchenprinz“ gelesen. Und siehe da: der alte Lesespaß stellte sich sofort wieder ein und das obwohl oder gerade weil die Autorin wieder auf altbewährte Elemente zurückgreift. Die Geschichte wird episodenhaft aus den Pespektiven von vier unterschiedlichen Frauen erzählt, die alle in einer sich nach und nach heraus kristallisierenden Beziehung zum Politik-Jungstar und Frauenheld Paddy de Courcy stehen.

Zunächst ist da Lola die im Stil eines Tagebuchs davon berichtet, wie sie aus den Medien davon erfahren muss, dass ihr Freund Paddy in Kürze heiraten wird – nur ist sie nicht die Braut. Die quirlige Stilberaterin flüchtet aufs Land und erschließt sich im beschaulichen Knockavoy einen neuen Freundeskreis, der locker mit den verschrobenen Bewohnern von Stars Hollow bei den Gilmore Girls konkurrieren kann. Ihr dicht auf den Versen ist die Journalistin Grace, die noch eine offene Rechnung mit Paddy hat und in einem Interview mit Lola die Chance auf Rache wittert. Das steht unmittelbar in Zusammenhang mit Charakter No. 3: Marnie ist die Zwillingsschwester von Grace und war die Jugendfreundin von Paddy. Zunächst weiß man nicht genau, was damals vorgefallen ist, aber da die in London lebende Mutter von zwei Kindern ein Alkoholproblem hat (welches sie hartnäckig leugnet) liegt es nahe, dass Mr. de Courcy eine größere Leiche im Keller hat. Die vierte Frau ist für mich die unspektakulärste: Alicia ist die Auserwählte, die Paddy heiraten will und die alle Qualitäten einer Politikerfrau mitbringt.

Nach der langen Pause fand ich den Roman sehr gut und das Stilmittel des Perspektivenwechsels wird raffiniert eingesetzt. Zunächst sind die nach den einzelnen Frauen genannten Kapitel sehr lang, sodass man sich an sie gewöhnen kann und gerade, wenn man sie ins Herz geschlossen hat, muss man sie auch schon wieder verlassen, um zum nächsten Charakter zu wechseln. Zum Ende des Romans werden die Kapitel dann immer kürzer und die zunächst getrennt agierenden Frauen werden schließlich zusammengebracht. Dadurch entsteht eine unglaubliche Dynamik und man gerät ins Staunen, wie sich das eigene Urteil zu den einzelnen Frauen plötzlich wandelt, wenn sie sich nicht mehr selbst beschreiben, sondern durch eine der anderen Figuren beschrieben werden.

Mehr muss ich zu diesem Roman eigentlich nicht sagen, stattdessen habe ich bei Youtube zwei Clips gefunden, die ich dem Leser mit auf den Weg geben möchte:

Zunächst stellt Autorin Marian Keyes selbst ihr neues Buch vor.

Im nächsten Ausschnitt wird auf der deutschen Lesung zum Besten gegeben, wie der Freitagabend von Lola durcheinandergebracht wird. Dazu muss man wissen, dass Lola sich in Knockavoy arbeitslos meldet. Ein Sozialbeamter nutzt ihre Lage und ihre Kontakte aus, um über sie an Damenschuhe in Herrengröße heranzukommen…  Der Beamte ist  Cross-Dresser (fragen Sie nicht, im Buch erfahren Sie alles über die Unterschiede von Cross-Dressern und Transvestiten;-) und nötigt Lola die Freitagabend-Treffen auf, um in Ihrem Haus Cross-Dresser Parties zu veranstalten.

Gelesen: 21.03. – 02.04.

Seiten total: 848

Seiten/Tag: 65,2

Gelesene Seiten 2009: 4.131


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