Archiv für die Kategorie ‘Drama’

Zu alt für Jugendbücher?

27/09/2009

Tote Mädchen lügen nichtJay Asher: Tote Mädchen lügen nicht

Das Buch war für mich eine große Enttäuschung, evtl. bin ich aber einfach nur zu alt dafür, denn eigentlich handelt es sich um ein mehrfach ausgezeichnetes und  sehr erfolgreiches Jugendbuch.

Ich glaubte also gar keinen Fehler machen zu können, als ich es gekauft habe, zumal auch der Klappentext sehr vielversprechend klang:

„Als Clay nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit 7 Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder und hört die Stimme von Hanna Baker, Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hanna, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit Hannahs Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässtihm den Atem. 13 Gründe haben zu Ihrem Selbstmord geführt, 13 Personen hatten ihren Anteil daran.  Clay ist einer davon …“

Für meinen Geschmack ist das Buch auf emotionaler Ebene zu reißerisch. Die Selbstmordmotive von Hanna (Opfer eines schlechten Rufes/Mobbings durch die Mitschüler) und auch die Selbstzweifel von Clay wirken auf mich zu konstruiert.  Und letztlich komme ich nicht darüber hinweg, dass sich eine Selbstmord-Kandidatin die Zeit nehmen soll,  sieben Kassetten aufzuzeichnen und einen Plan austüftelt, um sicherzustellen, dass sie posthum mit ihren Peinigern “abrechnen” kann.

Sorry, too much für mich. Aber vielleicht sind das auch die wahren  Gefühle der Teenager und ich bin einfach zu alt, um das nachvollziehen zu können.

Gelesen: 26.08.-29.08

Seiten total: 283

Seiten/Tag: 70,75

Gelesene Seiten 2009: 11.387

Das Leben ist keine Halfpipe: Slam

21/06/2009

Nick Hornby: SlamNick Hornby: Slam

Hornby ist ein Autor, vor dem ich Achtung habe. Einerseits versteht er es ernste Themen in einen komischen Beiklang  zu verpacken, andererseits geht er nicht nach Schema F vor.  Die andere große Überraschung bei diesem Taschenbuch: wie bei einer DVD gibt es Bonusmaterial, das aus einem Interview mit Autor und Kurzgeschichten besteht. Ich bin mal gespannt, ob das ein Trend ist, der sich bei Büchern durchsetzt.

Doch reden wir vom Roman „Slam“. Hauptfigur ist der 15jähirge Sam, der von seiner alleinerziehenden Mutter aufgezogen wird. Er ist leidenschaftlicher Skater und sein großes Vorbild ist Tony Hawks. Der muss in Form eines Posters auch als Vater bzw. bester Freund Ersatz herhalten, denn Sam berichtet ihm regelmässig von den Neuigkeiten in seinem Leben und Tommy Hawks antwortet mit mehr oder weniger treffenden Zitaten aus seiner Biographie.

Ein Teenagertraum wird schließlich wahr,  als Sam bei der gleichaltrigen Alicia landen kann und die beiden ein Paar werden. Doch aus dem Traum wird ein Alptraum, als Alicia schwanger wird und das Kind behalten will. Sam sieht seine Zukunft in Gefahr und flieht erst einmal aus der Stadt.

Nun hatte ich davon gesprochen, dass Hornby nicht nach Schema F vorgeht und so hat dieser Roman eine phantastische Komponente, denn Sam verschlägt es mehrfach in die Zukunft und so kann er seinen Sohn schon vor seiner Geburt kennenlernen:
„Ich wurde mitten in der Nacht wach. Ich war nicht in meinem eigenen Bett, es lag jemand neben mir im Bett, und dann schrie auch noch ein Baby.
„O Scheiße.“ Die Person neben mir im Bett war Alicia.
„Du bist dran“, sagte sie.
Ich sagte nichts. Ich wusste weder, wo ich war, noch wann ich war, und ich wusste nicht, was mit „Du bist dran“ gemeint war.
„Sam“ sagte sie. „Wach auf. Er ist wach. Du bist dran.“

„Nimm einfach das verdammte Baby aus dem Bett.“
Ich war ziemlich verwirrt, natürlich, aber ich begann langsam zu schalten. Ich wusste zum Beispiel, dass ich nicht fragen durfte, wie alt der Kleine war, oder wie er hieß. Das würde sie misstrauisch machen. Und es hatte nicht viel Zweck, ihr erklären zu wollen, dass ich nicht der Sam , für den sie mich hielt, sondern dass irgendwer, vielleicht Tony Hawk, mich in eine Art Zeitmaschine verfrachtet hatte, aus Gründen, die wahrscheinlich nur er kannte.“

Ich fand das Buch sehr kurzweilig und amüsant, trotz des ernsten Themas.
Die Zeitsprünge bauen eine große Spannung auf und zwingen einen zum Weiterlesen.

Gelesen: 11.06.-14.06.
Seiten total: 367 (inkl. Bonusmaterial)
Seiten/Tag:  91,8
Gelesene Seiten 2009: 8.472

Back to Barcelona: Das Spiel des Engels

03/06/2009

Das Spiel des EngelsCarlos Ruiz Zafón: Das Spiel des Engels

Nach der “Kathedrale des Meeres” hat sich mir mit diesem Buch erneut die Möglichkeit eines literarischen Ausflugs in meine Lieblingsstadt ergeben. Ausserdem war ich positiv überrascht, als ich entdeckte, dass einzelne Personen und der berühmte „Friedhof der Vergessenen Bücher“, die man bereits aus dem Roman „Der Schatten  des Windes“kennt, wieder mit von der Partie sind.

Bei genauerer Recherche habe ich herausgefunden, dass „Das Spiel des Engels“ ein Prequel zum Schatten des Windes ist und Zafón bereits angekündigt hat, er plane eine Reihe von vier Romanen.

Erzählt wird die Geschichten des jungen David Martín, der  davon träumt Schriftsteller zu werden. Zunächst ermöglicht ihm sein Freund und Mentor  Pedro Vidal, für eine Zeitung eine Kriminalfortsetzungsreihe namens „Die Geheimnisse von Barcelona“ zu schreiben.

Eines Tages erreicht ihn die mysteriöse Nachricht eines Fans, der ihm aus Dankbarkeit eine Überraschung machen möchte und ihn ins Luxusbordell “Die Träumerei” einlädt. Das erstaunen ist groß, als ihn in dem Etablissement eine Frau erwartet, die scheinbar seiner Dichtung entsprungen ist. Am nächsten Morgen klärt sich die Identität des Gönners, der sich mit einer weiteren Nachricht als Verleger Andreas Corelli vorstellt und  ihm eine Zusammenarbeit anbietet. Die eigentümlichen Erfahrungen in der Nacht eine Entdeckung, die er im Nachgang machen wird, sorgen aber dafür, dass er (zunächst) kein Interesse an einer Zusammenarbeit hat.

Wenig später verliert er seine Arbeit bei der Zeitung und heuert bei einem Verlag an, für den er im Akkord unter Pseudonym die Groschenromanreihe „Die Stadt der Verdammten“ verfasst. Doch diese Arbeit  kann ihn nicht erfüllen und er ergreift die Gelegenheit einer Auszeit, um im eigenen Namen einen Roman zu schreiben. Zeitgleich kommt Christina, ein Mündel seines Mentors Pedro Vidal,  auf ihn zu, damit er sie bei der Korrektur des Romans von Vidal unterstützt.  Da Martín schon lange heimlich in sie verliebt ist und gerne mehr Zeit mit ihr verbringen möchte, willigt er freudig ein – auch wenn sich bald herausstellt, dass er Vidals Roman komplett neu schreiben muss.

Dann wird es sehr schnell sehr finster in seiner Welt:
Christina, die ihm eben noch ihre Liebe gestanden hat, wird die Frau von Vidal, sein Roman hat nicht den gewünschten Erfolg und bei einer Untersuchung wird ihm ein Hirntumor diagnostiziert, der seinen baldigen Tod zur Folge haben soll.

In dieser Situation erhält er erneut eine Nachricht von Andreas Corelli, der ihm ein kleines Vermögen und die Lösung aller seiner Probleme verspricht, wenn er ein Jahr lang für ihn arbeitet.  Da er nichts zu verlieren hat, willigt er ein;  ist plötzlich wieder vollkommen gesund und nimmt die Arbeit für Corelli auf. Doch immer wieder kommen ihm Zweifel an seinem mysteriösen Auftraggeber. Er beginnt Nachforschungen, die aber mehr Fragen als Antworten nach sich ziehen.

So stellt sich heraus, dass er ein Haus bezogen hat, dessen Vorbesitzer ebenfalls für Corelli tätig war und sich unter nicht geklärten Umständen das Leben genommen hat.  Martín drängen sich Parallelen zu seiner eigenen Situation auf und er versucht, die genauen Todesumstände aufzuklären, was aber eine ganze Reihe weiterer Morde nach sich zieht, die ausgerechnet ihm zur Last gelegt werden…

Zafón ist einfach ein großartiger Erzähler mit einer großen Stimme. Unter normalen Umständen würde selbst ich, als Liebhaber von Mystery-Stoffen einen großen Bogen um einen Roman machen, der einen religiös-moralischen Handlungsbogen aufbaut, aber die Art und Weise WIE Zafón erzählt hat einen Suchtcharakter, dem man sich unmöglich entziehen kann.
Unbedingt erwähnen möchte ich auch noch die Beziehung zwischen David und der eigenwilligen Isabella, die er zunächst nur widerwillig als Gehilfin einstellt, dann aber eine seiner wichtigsten Bezugspersonen wird. Beachtlich ist, dass Zafón es über die Beziehung der beiden schafft, Humor und Komik in den vom Grundton her sehr nüchtern-ernsten Roman einfliessen zu lassen.

Gelesen: 30.05.-01.06.

Seiten total: 711

Seiten/Tag:  237

Gelesene Seiten 2009: 7.813

Sein oder Schein: Ruhm

24/05/2009

RuhmDaniel Kehlmann: Ruhm
Ein Roman in neun Geschichten

Der neue Roman von Daniel Kehlmann wird Ihnen gefallen, wenn Sie ein Freund von Episodenfilmen wie Magnolia sind und wie bei einem David Lynch Film Freude an Interpretation und Deutung haben. Ich habe fast schon bedauert, dass ich nicht mehr die Schulbank drücke und die Chance habe, dieses Werk bis in seine geheimen Tiefen zu analysieren (by the way: ich würde allen Kultusministern der Länder dringend ans Herz legen, diesen Roman zur Pflichtlektüre für deutsche Gegenwartsliteratur  zu machen).

Den Inhalt des Romans in neun Geschichten zu beschreiben fällt schwer und so gebe ich mich in diesem besonderen Fall damit zufrieden, den Klappentext wiederzugeben:

„Ein Mann kauft ein Mobiltelefon und bekommt Anrufe, die einem anderen gelten, nach kurzem Zögern beginnt er ein Spiel mit der fremden Identitiät. Ein bekannter Schauspieler wird von einem Tag auf den nächsten nicht mehr angerufen, als hätte jemand sein Leben an sich gerissen. Ein Schriftsteller macht zwei Reisen in Begleitung einer Frau, deren größter Alptraum es ist, in einer seiner Geschichten vorzukommen, ein verwirrter  Internetblogger wiederum wünscht sich nichts sehnlicher, als einmal Romanfigur zu sein. Ein weltweit  gelesener Esorterik-Guru steht kurz vor dem Selbstmord, eine Krimiautorin geht auf einer abenteuerlichen Reise in Zentralasien verloren, eine alte Dame auf dem Weg in den Tot hadert mit dem Schriftsteller, der sie erfunden hat, und ein Abteilungsleiter in einem Mobilteltelefonkozern verliert über seinem Doppelleben zwischen zwei Frauen Arbeit und Verstand. Neun Episoden ordnen sich nach und nach zu einem romanhaften Gesamtbild: ein raffiniertesSpiel mit Realität und Fiktionen, ein Buch über Ruhm und Verschwinden, Wahrheit und Täuschung.”

Ich möchte das Buch mit einem guten Glas Rotwein vergleichen, man kann gar nicht anders als es in kleinen (Episoden-)Schlücken zu genießen und selbst wenn man es gelesen und aus der Hand gelegt hat, bleibt ein wohliges Gefühl zurück.

Das einzige was mir missfallen hat, ist die Episode über den Internetblogger,  da dieser mit Anglizismen nur so um sich wirft, doch Kehlmann wird sein Gründe dafür haben und mit den übrigen Episoden, allen voran „Rosalie geht sterben“ (großartig) lässt er mich mit Leichtigkeit darüber hinwegsehen.

Gelesen: 21.05.-23.05.

Seiten total: 203

Seiten/Tag:  67,7

Gelesene Seiten 2009: 7.011

Sleepless in Frisco: Der nächtliche Lauscher

24/05/2009

Der nächtliche LauscherArmistead Maupin: Der nächtliche Lauscher

Ich muß vorweg nehmen, dass ich ein großer Fan der Stadtgeschichten bin und auch begierig über das im letzten Jahr erschienene Buch „Michael Tolliver lebt“ hergefallen bin. Diese Fortsetzung ist zeitlich 18 Jahre nach dem Schlusskapitel der Stadtgeschichten angesiedelt und war für mich sehr ernüchternd. Es lässt sich nicht leugnen, dass man älter geworden ist und die Welt sich weitergedreht hat. Genau das ist auch bei “Michael Tolliver lebt”  zu spüren und so habe ich das Buch in einer sehr seltsamen euphorisch-nostalgisch-ernüchternden Art und Weise erlebt.

Doch genug der Vorrede; „Der nächtliche Lauscher“ ist bereits 2002 auf den Markt gekommen und ist bis auf eine Randfigur völlig frei von Charakteren der Stadtgeschichten.  Der (Anti-)Held ist der Erzähler Gabriel Noone, ein bekannter  Radio-Moderator, der eben erst von seinem Lebensgefährten verlassen wurde und auch künstlerisch gerade in einer Krise steckt.

Dieser Stillstand durch ein Manuskript durchbrochen, das er für eine Kritik lesen soll. Darin schildert der erst 13-jährige Pete seinen ebenso kurzen wie harten Lebensweg. Als Kind missbraucht und wie eine Ware weitergereicht,  ist er erst zur Ruhe gekommen, als ihn Therapeutin Donna bei sich aufgenommen hat.  Das Ende des Glücks aber ist bereits absehbar, denn der Junge ist HIV-positiv und verbringt viel Zeit in Kliniken.

Gabriel Noone ist fasziniert von der Tapferkeit des Jungen, der ein großer Fan seiner Radioshow ist. Bald schon telefonieren die beiden regelmäßig und eine  ungewöhnliche Freundschaft nimmt ihren Lauf. Gabriels Ex-Freund sät jedoch Misstrauen, denn ihm erscheint die Lebensgeschichte des Jungen zu konstruiert.  Als er dann selbst Gelegenheit hat, mit Pete und seiner Pflege-Mutter zu telefonieren kommt ihm der Verdacht, dass es sich um ein und die selbe Person handeln könnte, denn die Stimmen gleichen sich auffallend.

Gabriel hat zu diesem Zeitpunkt bereits einen Besuch bei Mutter und Kind vereinbart, der kurzfristig abgesagt wird, weil sich der Gesundheitszustand des Jungen angeblich verschlechtert habe. Gabriel macht sich dennoch auf den Weg zu den beiden, um die Wahrheit herauszufinden…

Das Buch hat mich nicht direkt enttäuscht, aber ich habe mir doch mehr davon versprochen.  Man sollte es auf keinen Fall in der Erwartungshaltung lesen, dass man leicht-unterhaltsame Literatur im Stil der Stadtgeschichten bekommt.  „Der nächtliche Lauscher“ ist deutlich tiefgründiger und anspruchsvoller, ohne dabei jedoch in die Tiefen „großer Literatur” vorzustoßen und  speziell der Ausgang der Geschichte hat mich sehr unbefriedigt zurückgelassen.

Gelesen: 10.05.-20.05.

Seiten total: 346

Seiten/Tag:  31,5

Gelesene Seiten 2009: 6.808


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