Archiv für die Kategorie ‘Historischer Roman’

Hoffnung für die Highland-Saga?

20/12/2009

Diana Gabaldon: Echo der Hoffnung

Die Highland-Saga geht endlich weiter und ich habe mich sehr darüber gefreut, mal wieder einen guten historischen Roman in epischer Breite zu lesen. (Bücher um die 1.000 Seiten kriegt man ja nicht jeden Tag in die Hände.) Außerdem  konnte ich kaum abwarten wie es mit Claire, Jamie, Ian, Brianna und all den anderen Charakteren weitergehen sollte.

Der Roman (der siebte der Reihe) beginnt 1776 und die Zeitreisende Claire und ihr Highlander Jamie sind immer noch in Fraser’s Ridge, planen jedoch für das nächste Frühjahr die Rückkehr nach Schottland, um dort Jamies zurückgelassenen Druckerpresse in die Kolonie zu bringen. Außerdem müssen die beiden ein Versprechen einlösen und Jamies Neffen Ian, den sie seinerzeit mit in die neue Welt gebracht haben, zurück zu seinen Eltern bringen.

Ihre Tochter Brianna ist mit dem Mann und den Kindern in die Gegenwart  zurückgekehrt, wo die lebensrettende Operation  der Tochter geglückt ist. Die Familie hat den alten Familiensitz Lallybroch  in Schottland gekauft, um ein neues Leben aufzubauen. Ihr größter Schatz ist eine dort gefundene Kiste mit alten Briefen, die Claire und Jamie Ihnen hinterlassen haben.

Für Unruhe sorgt ein Wegelagerer, der immer wieder auf dem Grundstück auftaucht und mit dem etwas nicht zu stimmen scheint…

Alles in allem ist dieser Handlungsstrang relativ kurz gehalten, wesentlich größer ist der Anteil, den Gabaldon diesmal für Lord John und dessen Ziehsohn William verwendet.

Insbesondere William als unehelicher Sohn von Jamie ist von besonderer Bedeutung für den Roman und das Aufeinandertreffen von ihm und seinem Vater in den gegensätzlichen Lagern des Unabhängigkeits-Krieges schürt die latente Spannung.

Neu in die Highlander-Familie aufgenommen wurden  die Charakteren Denny und Rachel Hunter ein Quäker-Geschwisterpaar, das den verwundeten  William behandelt und später auf Seiten von Jamie, Claire und Ian in die Kriegswirren gerät.

Nach einigen Wirrungen (z.B. einer Schiffsentführung und dem Kampf um Fort Ticonderoga) gelingt die Ausreise nach Schottland, wo schlechte Nachrichten warten und es erforderlich wird, dass Claire alleine nach Philadelphia zurückkehren  muss, wo es zum großen Finale kommen wird.

Für mich ist dieser Band der bislang schlechteste der Serie. Die ersten 700 Seiten ziehen sich wie Kaugummi ohne dass etwas Entscheidendes passiert, bevor die letzten 300 Seiten dann zu gewohnter  Gabaldon-Qualität heranschwellen.  Außerdem ist der Claire/Jamie Anteil anfangs auffallend gering und insbesondere der Lord John Handlungsstrang hätte deutlich gekürzt werden können.

Was das Ende betrifft, so ging es mir persönlich dann sogar zu schnell und ich halte es für unklug, dass der Handlungsstrang um Brianna, Roger und den kleinen Jem nicht aufgelöst wird. Und das ist nicht der einzige Handlungsstrang der offen bleibt, aber der Gravierendste.

Es ist sehr offensichtlich, dass hier bereits die Nachfrage nach dem nächsten Band (der so in drei Jahren erscheinen dürfte) geschürt wird und wenn weiterhin so kurze Zeitspannen (Juli 1776-Mai 1778) wie in „Echo der Hoffnung“ erzählt werden, scheinen noch einige Fortsetzungen zu folgen. Auch wenn  ich sie zweifelsohne lesen werde: ich bin nicht sicher, ob ich mich darauf freuen soll.

Gelesen: 05.-10.12

Seiten total: 1002

Seiten/Tag:  200,4

Gelesene Seiten 2009: 19.108

Geldmacherei oder echtes Vermächtnis?

20/12/2009

Michael Crichton: Gold

„Aber er ist doch tot“, war mein erster Gedanke, als ich „Gold“ in der Buchhandlung entdeckte. Zu meinem Bedauern war Michael Crichton, einer meiner Lieblingsautoren, bereits im November letzten Jahres verstorben. Doch in seinem Nachlass fand sich wohl noch dieses eine Buch und schon fast ehrfürchtig habe ich dann auch die erste Seite aufgeschlagen.

Das Buch wäre perfekt für meinen Karibik-Urlaub gewesen, spielt es doch eben da und auf der Umschlaginnenseite ist eine Karte der Region zu sehen (Ich liebe Karten oder Stammbäume im Büchern, wo man immer wieder nachschauen kann;-)

Auch zeitlich könnte der Roman nicht reizvoller sein, spielt er doch im17. Jahrhundert zur Zeit der Piraten und Freibeuter. Held ist der  Kapitän Charles Hunter, der im Auftrag des Gouverneurs von Jamaica eine spanische Goldgaleone für den englischen König kapern soll.

Problem: das Goldschiff liegt in einem spanischen Hafer vor Anker, der als uneinnehmbar gilt. Doch Hunter ist wagemutig; mit Bedacht wählt er seine Mannschaft aus, zu der Don Diego de Ramano, ein Spezialist für Sprengstoff, Enders ein Steuermann mit unglaublichem Geschick, Lazue eine als Mann lebende Piratenbraut mit ungewöhnlich scharfen Augen , der Maura Massa mit übermenschlicher Stärke und der Franzosen Sanson, ein Meister der Mörderkunst zählen.Die Mannschaft sticht in See, um das Unmögliche zu schaffen…

Über Tote soll man ja nicht schlecht reden und zweifelsohne ist der Roman spannend geschrieben und man kann ihn nur schwer aus der Hand legen. Andererseits entspricht das Niveau nicht ganz  dem, was ich von Crichton gewöhnt bin. Z.B. wird die uneinnehmbare Festung von dem ruchlossen Spanier Cazalla geführt, der einst Hunters Bruder umgebracht hatte. Das Zusammentreffen der beiden ist dann aber überraschend ereignislos. Oder das Schicksal von Lady Sarah Almond, die sich in spanischer Gefangenschaft befindet und von Hunter befreit wird. Es gibt einige Schlüsselszenen mit ihr, die wie eine Ankündigungen von „mehr“ Handlung klingen, aber wie ein Versprechen in der Luft hängen bleiben.

Michael Crichton (*1942, † 2008)

Ich kann mich daher nicht des Gedankens erwehren, dass das Skript zu Gold noch  nicht seiner finalen Fassung war und Crichton der Geschichte noch einige Details hinzufügen wollte.

Schade, dass ihm die Zeit nicht gegeben wurde, aber Danke für all die wundervollen spannenden Stunden, die er mir mit seinen Büchern bereitet hat.

Gelesen: 14.11. – 26.11.

Seiten total: 671

Seiten/Tag: 51,6

Gelesene Seiten 2009: 17.469

Historisches: Die Kathedrale des Meeres

14/05/2009

Die Kathedrale des MeeresIldefonso Falcones:
“Die Kathedrale des Meeres”

Ich bin ein großer Barcelona-Fan und neben all den Krimis lese ich auch immer wieder gerne mal einen historischen Roman. Was lag also näher, als die „Kathedrale des Meeres“ zu lesen, nachdem  ich bereits die reale Santa Maria del Mar vor Ort besichtigt habe.

Die Geschichte ist im 14. Jahrhundert angesiedelt und zieht einen unmittelbar in ihren Bann.Was als  idyllische Hochzeit von Bernat Estanyol und der jungfräulichen Francesca beginnt, endet mit dem Einfall des bösen Feudalherren, der vom “Recht der ersten Nacht” gebrauch  macht und über die Braut herfällt. Von diesem Schlag kann sich Francesca nicht mehr erholen und die Ehe ist zum Scheitern verurteilt, woran auch die Geburt ihres Sohnes Arnau nichts zu ändern vermag.

Arnau, der bereits als Säugling allein mit seinem Vater vor dem Feudalherren in die freie Stadt Barcelona flieht, wird zur Hauptfigur des Romans. Ein wenig ist es die mittelalterliche Version des amerikanischen Traums, denn Arnau wird sich vom einfachen Steinträger (für den Bau seiner Kathedrale des Meeres) zum mächtigen Seekonsul emporarbeiten und auch ein spektakulärer Showdown darf nicht fehlen. Arnau wird zum Opfer einer Intrige, gerät in die Fänge der Inquisition und droht alles zu verlieren.

Stilistisch ist diese Verhandlung ein kleines Meisterstück, denn ständig verändert sich die Perspektive und wechselt von Arnau zu den Menschen, die ihn in seinem Leben begleitet haben und nun alles daran setzen, ihn zu retten. Selbst scheinbar belanglose Randfiguren treten für einen Moment ins Rampenlicht und man erkennt, dass der Autor von Anfang an auf diese entscheidenden Szenen hingewirkt hat.

Ein Buch, das ich den Barcelona-Fans und den Freunden historischer Romane nur ans Herz legen kann. Natürlich drängt sich an dieser Stelle ein Vergleich mit den „Säulen der Erde“ von Ken Follett auf, aber die  „Kathedrale der Meere“ braucht sich nicht zu verstecken.  Sicher, die Handlung erreicht nicht die epischen Ausmaße des Romans von Follett und Katalonien ist nicht England, aber es gibt aber eine nicht minder farbenprächtige Kulisse für die spannende Geschichte des Arnau Estanyol ab.

Gelesen: 20.04.-26.04.

Seiten total: 846

Seiten/Tag:  120,9

Gelesene Seiten 2009: 6.070


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