Archiv für die Kategorie ‘Roman’

Mörderische Entdeckung: Canyon

23/09/2009

Der CanyonDouglas Preston: Canyon

Douglas Preston habe ich das erste Mal im Kuba-Urlaub 2007 gelesen.
Teils, weil das Buch in einem handlichten Strand-Format daherkam,  teils weil die Geschichte von „Codex“kurzweiligen Abenteuer-Spaß versprach (drei zerstrittene Brüder suchen im Regenwald Ihren todkranken Vater, der sich mit seinem gesamten grabräuberischen Vermögen dorthin abgesetzt hat).

Jetzt habe ich also Canyon gelesen und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mir erst in der Hälfte des Buches aufgefallen ist, dass der Held im Roman einer der drei Brüder aus „Codex“ ist;-)

Thomas „Tom“ Broadbent ist die Hauptfigur (und einer der Codex-Brüder), der anfangs einen angeschossenen Mann in der Wüste New Mexicos findet. Er gibt Tom ein Notizbuch, dass er seiner Tochter übergeben soll und stirbt. Tom spürt, dass der Mörder noch in der Nähe sein muss und flieht, als er später mit der Polizei zurückkehrt fehlt von der Leiche jede Spur.

Weed Maddox ist der gesuchte Mörder; wir sind dabei als er kurz nach Tom die Leiche erreicht und feststellen muss, dass das Notizbuch fehlt. Er findet aber eine Gesteinsprobe, von der er hofft, dass sie seinen Auftraggeber zufrieden stellt.

Dr. Ian Corvus vom Museum of Natural History in New York ist der Auftraggeber, der die Gesteinsprobe zwar interessiert entgegen nimmt, aber Maddox zurück nach New Mexiko schickt, damit er das Buch um jeden Preis beschafft.

Die Probe lässt er von Melodie Crookshank, einer technischen Assistentin, untersuchen und diese wird im Verlauf des Buches immer neue spektakuläre Entdeckungen machen.  Sie ist so engagiert, dass sie Corvus zusehends nervöser macht.

Wyman Fort war CIA-Agent und Spezialist für Verschlüsselungs- technologien bevor er sich in ein Kloster zurückgezogen hat. Tom macht ihn dort ausfindig und bittet ihn um Hilfe bei der Entschlüsselung des Notizbuches. Er selbst kann den Code nicht entziffern und mangels Leiche weiß er nicht, wo er mit der Suche nach der Tochter des Toten anfangen soll.

Sally Broadbent ist Tom’s resolute Frau und gerät in Gefahr, als Tom und Wyman ihren Spuren nachgehen und Weed Maddox zurückkehrt, um das Notizbuch in seinen Besitz zu bringen.

F.P. Massago greift erst gegen Ende des Buches ins Geschehen ein. Er ist Leiter einer geheimen Regierungsbehörde, die durch ein abgehörtes Telefonat über die Geschehnisse auf den Plan tritt und eine Bedrohung für ALLE Beteiligten ist…

Das Buch ist (wie auch der Codex) ausgesprochen unterhaltsam gewesen. Die Schreibweise ist eher reißerisch wie die einer Bild-Zeitung,  zudem sind die Kapitel bewusst kurz gehalten und springen jeweils zwischen den Hauptfiguren hin und her, womit der Spannungsbogen konstant auf hohem Niveau gehalten wird.

Übrigens: auch wenn man glaubt, dass man das Rätsel um die Probe schnell gelöst glaubt, so lassen einen doch der Prolog (er beschreibt die Ereignisse der Apollo-Mission 1972 auf dem Mond!) und die sich später einschaltende geheime Regierungsbehörde keinen Zweifel daran, dass die Dinge nicht so einfach sind, wie sie es zu sein scheinen.

Gelesen: 21.08.-24.08

Seiten total: 549

Seiten/Tag: 137,25

Gelesene Seiten 2009: 11.104

Back to Barcelona: Das Spiel des Engels

03/06/2009

Das Spiel des EngelsCarlos Ruiz Zafón: Das Spiel des Engels

Nach der “Kathedrale des Meeres” hat sich mir mit diesem Buch erneut die Möglichkeit eines literarischen Ausflugs in meine Lieblingsstadt ergeben. Ausserdem war ich positiv überrascht, als ich entdeckte, dass einzelne Personen und der berühmte „Friedhof der Vergessenen Bücher“, die man bereits aus dem Roman „Der Schatten  des Windes“kennt, wieder mit von der Partie sind.

Bei genauerer Recherche habe ich herausgefunden, dass „Das Spiel des Engels“ ein Prequel zum Schatten des Windes ist und Zafón bereits angekündigt hat, er plane eine Reihe von vier Romanen.

Erzählt wird die Geschichten des jungen David Martín, der  davon träumt Schriftsteller zu werden. Zunächst ermöglicht ihm sein Freund und Mentor  Pedro Vidal, für eine Zeitung eine Kriminalfortsetzungsreihe namens „Die Geheimnisse von Barcelona“ zu schreiben.

Eines Tages erreicht ihn die mysteriöse Nachricht eines Fans, der ihm aus Dankbarkeit eine Überraschung machen möchte und ihn ins Luxusbordell “Die Träumerei” einlädt. Das erstaunen ist groß, als ihn in dem Etablissement eine Frau erwartet, die scheinbar seiner Dichtung entsprungen ist. Am nächsten Morgen klärt sich die Identität des Gönners, der sich mit einer weiteren Nachricht als Verleger Andreas Corelli vorstellt und  ihm eine Zusammenarbeit anbietet. Die eigentümlichen Erfahrungen in der Nacht eine Entdeckung, die er im Nachgang machen wird, sorgen aber dafür, dass er (zunächst) kein Interesse an einer Zusammenarbeit hat.

Wenig später verliert er seine Arbeit bei der Zeitung und heuert bei einem Verlag an, für den er im Akkord unter Pseudonym die Groschenromanreihe „Die Stadt der Verdammten“ verfasst. Doch diese Arbeit  kann ihn nicht erfüllen und er ergreift die Gelegenheit einer Auszeit, um im eigenen Namen einen Roman zu schreiben. Zeitgleich kommt Christina, ein Mündel seines Mentors Pedro Vidal,  auf ihn zu, damit er sie bei der Korrektur des Romans von Vidal unterstützt.  Da Martín schon lange heimlich in sie verliebt ist und gerne mehr Zeit mit ihr verbringen möchte, willigt er freudig ein – auch wenn sich bald herausstellt, dass er Vidals Roman komplett neu schreiben muss.

Dann wird es sehr schnell sehr finster in seiner Welt:
Christina, die ihm eben noch ihre Liebe gestanden hat, wird die Frau von Vidal, sein Roman hat nicht den gewünschten Erfolg und bei einer Untersuchung wird ihm ein Hirntumor diagnostiziert, der seinen baldigen Tod zur Folge haben soll.

In dieser Situation erhält er erneut eine Nachricht von Andreas Corelli, der ihm ein kleines Vermögen und die Lösung aller seiner Probleme verspricht, wenn er ein Jahr lang für ihn arbeitet.  Da er nichts zu verlieren hat, willigt er ein;  ist plötzlich wieder vollkommen gesund und nimmt die Arbeit für Corelli auf. Doch immer wieder kommen ihm Zweifel an seinem mysteriösen Auftraggeber. Er beginnt Nachforschungen, die aber mehr Fragen als Antworten nach sich ziehen.

So stellt sich heraus, dass er ein Haus bezogen hat, dessen Vorbesitzer ebenfalls für Corelli tätig war und sich unter nicht geklärten Umständen das Leben genommen hat.  Martín drängen sich Parallelen zu seiner eigenen Situation auf und er versucht, die genauen Todesumstände aufzuklären, was aber eine ganze Reihe weiterer Morde nach sich zieht, die ausgerechnet ihm zur Last gelegt werden…

Zafón ist einfach ein großartiger Erzähler mit einer großen Stimme. Unter normalen Umständen würde selbst ich, als Liebhaber von Mystery-Stoffen einen großen Bogen um einen Roman machen, der einen religiös-moralischen Handlungsbogen aufbaut, aber die Art und Weise WIE Zafón erzählt hat einen Suchtcharakter, dem man sich unmöglich entziehen kann.
Unbedingt erwähnen möchte ich auch noch die Beziehung zwischen David und der eigenwilligen Isabella, die er zunächst nur widerwillig als Gehilfin einstellt, dann aber eine seiner wichtigsten Bezugspersonen wird. Beachtlich ist, dass Zafón es über die Beziehung der beiden schafft, Humor und Komik in den vom Grundton her sehr nüchtern-ernsten Roman einfliessen zu lassen.

Gelesen: 30.05.-01.06.

Seiten total: 711

Seiten/Tag:  237

Gelesene Seiten 2009: 7.813

Vergangenheitsbewältigung: Der Vorleser

07/02/2009

Der VorleserDer Vorleser von Bernhard Schlink

Nach all der “leichten” Literaturkost zu Jahresbeginn hatte ich das Bedürfnis, mal etwas anspruchsvolleres zu lesen. Vom Vorleser wusste ich nur, dass er in Kürze als Verfilmung mit Kate Winslet in die Kinos kommt und auf einem mehrfach ausgezeichneten deutschen Roman basiert.

Von Anfang an hat mir die klare Sprache sehr gefallen und es viel mir sehr leicht, mich mit dem zunächst 15jährigen Ich-Erzähler auf die Reise zu begeben.

Der Protagonist Michael Berg begegnet gleich zu Beginn des Romans der 36jährigen Schaffnerin Hanna Schmitz, die ihm in einer Notsituation hilft. Wenig später sucht er sie auf, um sich zu bedanken und muss erkennen, dass er sich über die Dankbarkeit hinaus zu ihr hingezogen fühlt.

“Warum hatte ich die Augen nicht von lassen können? Sie hatte einen sehr kräftigen uns sehr weiblichen Körper, üppiger als die Mädchen, die mir gefielen und denen ich sonst nachschaute. Ich war sicher, daß sie mir nicht aufgefallen wäre, wenn ich sie im Schwimmbad gesehen hätte. Über dreißig? Man schätzt das Alter schwer, das man noch nicht hinter sich hat oder auf sich zukommen sieht.”

Es kommt wie es kommen muss; Michael und Hanna werden Liebende und in ihrem wichtigsten Ritual folgt auf ein Bad und den Liebesakt stets das Vorlesen. Doch die Beziehung wird für Michael zum Dilemma. Er  leidet  darunter, dass er die Beziehung nur im geheimen führt und fühlt sich als Verräter, je mehr Zeit er mit seinen Schulfreunden verbringt.  Er ist derjenige, der in den Konflikten mit Hanna aus Angst vor Verlust und schlechtem Gewissen  stets nachgibt. Der erste von den drei Teilen des Romans endet damit, dass Hanna plötzlich unangekündigt die Stadt verlässt.

Im zweiten Teil sind einige Jahre vergangen und Michael hat mit dem Jura-Studium begonnen.  Für ein Seminar besucht er einen Kriegsverbrecherprozess und erkennt unter den Angeklagten Hanna.  Ihr wird vorgeworfen, dass sie als KZ-Wärterin maßgeblich für einen Todesmarsch verantwortlich war.  Hier rückt gleichermaßen die Vergangenheitsbewältigung einer ganzen Generation in den Vordergrund, wie auch die ganz persönliche Tragödie des Erzählers, der sich seinen Gefühlen stellen muss. Der zweite Teil endet damit, dass Hanna als vermeintliche Anführerin zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wird. Michael hatte zuvor noch etwas entdeckt, was sie hätte entlasten können, doch  er schweigt, während des gesamten Prozesses haben beide kein Wort gewechselt.

Ein Wiedersehen gibt es erst zu Ende des dritten Teils.  Michael hat es auch Jahre nach dem Prozess nicht geschafft, das Geschehene zu verarbeiten. Eine Ehe ist gescheitert und es liegt nahe, wo seine Unfähigkeit zu einer ernsten Bindung ihre Ursache hat. Von Schuld getrieben erinnert er sich an das Ritual des Vorlesens und er beginnt Kassetten für Hanna aufzunehmen, die er ihr ins Gefängnis schickt.  Doch es bleibt bei den Kassetten, keine Briefe, keine Besuche. Als Hanna einer Entlassung entgegensieht wird er als einzig bekannter Kontakt zur Aussenwelt von der Gefängnisdirektorin  um Hilfe gebeten.  Er soll ihr zurück in die Gesellschaft helfen und so kommt es kurz vor ihrem Entlassungstermin zum Wiedersehen…

Ich hoffe, ich habe nicht zu viel verraten und es bleibt ein wenig Neugierde auf Hannas entlastendes Geheimnis und das (tragische) Ende des Romans.  Neben der klaren Sprache hat mir auch die Beschreibung der Schauplätze sehr gut gefallen und mich dem Roman näher gebracht, spielt er doch im Rhein-Nekar Raum. Wunderschön ist die Beschreibung des gemeinsamen Rad-Urlaubes der beiden, wenn sich zum Ende auch der erste große Konflikt anbahnt. Das ist mit Sicherheit nicht der letzte Schlink, den ich lesen werde…

  • Gelesen: 31.01. – 05.02.
  • Seiten total: 207
  • Seiten/Tag: 34,5
  • Gelesene Seiten 2009: 1.408

Kinotrailer “Der Vorleser”


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